Warum James Bond pokert


Was ich schon lange vermutete habe, hat der SPIEGEL (48/2006) jetzt netterweise mal schwarz auf weiß bestätigt. Der aktuelle Pokertrend entstand nicht zufällig oder aus irgendeiner Laune irgendeines Fernsehmachers heraus. Online-Poker ist ein Milliardengeschäft, das vor einigen Monaten in den USA per Gesetz kurzerhand verboten wurde. Damit gingen der Branche ca. 80% der Umsätze flöten, schätzt der SPIEGEL.

Also sucht man außerhalb der USA nach alternativen Märkten. Besonders gut eignet sich dafür natürlich die traditionell weltweit erfolgreichste Film-Serie, James Bond. Dass der Film komplett um das zu bewerbende Produkt herum gestrickt wird, dürften sich die Sponsoren einen 2-stelligen Millionenbetrag haben kosten lassen. Wahrscheinlich eine gute Investition in die Zukunft der Spielsucht. Und ein weiteres Armutszeugnis für Hollywood. Damals dachte ich noch, das Fedex-Product-Placement in Cast Away würde nerven, der neue Bond läutet nun die nächste Generation ein.





Thomas Promny bei Google+ folgen

 
 
 

7 Kommentare zu “Warum James Bond pokert”

  1. Stefan
    28. November 2006 um 17:00

    Per Bundesgesetz?
    Die Schlupflöcher dürften riesig sein, oder sehe ich das falsch?
    Kenn mich mit dem Kram so rein gar nich aus.

    Kühne, aber plausible These im übrigen.
    Das namengebende Zentrum des Films ist wirklich das Schwächste daran, das VORTÄUSCHEN eines Bluffs eher läppisch – und dennoch ist selbst dieser Teil dramaturgisch perfekt.
    Der ganze Film ist ein postpostmodernes, posthumanistisches Meisterwerk und Beweis der ästhetischen Superiorität Hollywoods.

    Daß Werbung nervt, kann aber auch nicht Ihr Ernst sein, Mr Adfire.

    Übrigens: Ein Film, angelegt als reines Mosaik aus diversen product placements – das wäre doch eine künstlerische Herausforderung.

  2. Thomas
    28. November 2006 um 17:14

    Natürlich gibt es gewisse Schlupflöcher, aber die Schätzung des Umsatzverlustes auf 80% ist nicht unrealistisch, so riesig sind die Löcher also nicht.

    Dass der Film handwerklich gut gemacht ist, daran besteht wohl kein Zweifel. Immerhin beträgt das Budget 100 Mio. US$.Mich stört daran in erster Linie, dass sich mit diesem Film Millionen von Leuten eine riesige Dauerwerbesendung ansehen und es nicht mal bemerken. Andererseits kann man natürlich auch das geniale Product Placement bewundern, wenn man das möchte.

    Und natürlich nervt Werbung in den meisten Fällen, auch wenn es Ausnahmen gibt. Das kann man wohl auch sagen, obwohl man damit sein Geld verdient.

  3. Stefan
    29. November 2006 um 18:56

    Der Film ist aber nicht nur handwerklich gut, sondern meisterhaft.
    Viele andere Filme mit ähnlichem Budget sind in den Sand gesetzt worden.
    Beispiel: Königreich der Himmel – sehr teuer, auch sehr gut besucht, aber ungenießbar.

  4. Stefan
    13. Dezember 2006 um 16:16

    Übrigens: Der Film zelebriert ja geradezu das Face-to-face-Pokern.
    Dafür würden die Onliner keinen Cent ausgeben.

  5. Thomas
    13. Dezember 2006 um 18:26

    Face-to-Face Poker ist ja nur ein kleiner Markt, kommt nur für einen kleinen Teil der Zielgruppe in Frage. Wer das aber im Film cool findet, spielt später dann auch online.
    Keine Frage, dass die Werbestrategie so wirkt.

  6. Wolfram
    3. Januar 2007 um 18:56

    Die Pokerszenen waren leider die Schwachpunkte im neuen Bond Film.
    Im Film wurden nur sehr wenige Hände gezeigt. Bei den Händen, die gezeigt wurden, waren zuviele Spieler in der Hand drin. Die finale Hand war leider enorm unlogisch. In welcher Hand sind vier Mitspieler bis zum River drin? Irgendjemand hätte auf jeden Fall zuvor folden müssen. Wieso sieht sich James Bond überhaupt den Flop an, wenn er nur 75s auf der Hand hat? Dies ist leider eine viel zu schlechte Hand, um im Spiel zu bleiben. Dann hatten alle vier Mitspieler durch den River eine Super Hand bekommen, schlechteste Hand war ein Flush. Zudem hat jeder Hollywoodmäßig immer eine bessere Hand gehabt.
    Nicht richtig beantwortet wurde die Frage, wieso Bond plötzlich an das Meiste Geld gekommen ist. Er mußte sich nachkaufen und war somit weit hinter Le Chiffre. Größtes Problem beim Pokershowdown war der Dealer. Er nimmt jeweils zwei Karten aus der Mitte und legt zum verdeutlichen die des jeweiligen Spielers an deren Stelle, dies wäre beim richtigen Poker strengstens verboten. Im Film sollte dies eine Hilfe für den unerfahrenen Zuschauer sein sollen, leider hätte ich hier mehr Wert auf Realität gelegt.
    Ein kleiner Fehler war noch in der Wahrscheinlichkeitsberechnung von James Bond. Er bemerkt den Bluff von Le Chiffre und gibt eine Wahrscheinlichkeit von 23:1 an. Diese ist im Prinzip auch richtig, da James Bond sie angibt und er seine Karten kennt, liegt die Wahrscheinlichkeit jedoch bei 22:1.

  7. Michael Seitz
    8. Juni 2007 um 10:10

    @Wolfram: absolut korrekte Analyse!

    Ich finde auch, dass Hold’Em nicht in einen Bond Film passt. Wenn man sich z.B. das WSOP Finale von ’81 zwischen Stu Ungar und Perry Green ansieht weiss man warum. Perry sitzt dort im Holzfällerhemd, mit Baseballkappe und mit offener Hose! Hold’Em ist kein glamouröses Casinospiel.

Kommentar abgeben:

Powered by WP Hashcash