manager magazin befürwortet Korruption
Heute habe ich zufällig noch mal eine etwas ältere Ausgabe des manager magazin in der Hand gehalten, 03/07. Dass die Zeitschrift im Allgemeinen bei weitem nicht die journalistische Qualität des Schwesterblatts DER SPIEGEL erreicht, kann man angesichts der wesentlich geringeren Auflage in Kauf nehmen.
Im Artikel auf Seite 15 über den russischen Investor Rustam Axjenenko, geht der Autor für meinen Geschmack aber einen deutlichen Schritt zu weit in Richtung Unprofessionalität. Auf die Frage, wie der Mann zu seinem Geld gekommen sei, heißt es:
Nun ja, sein Vater war unter Boris Jelzin Transportminister. Und wer zu jener Zeit eine solche Funktion innehatte und nicht ganz dumm war, nutzt die Chancen, die sich ihm boten.
Der Autor befürwortet also offensichtlich Korruption, bezeichnet sogar korruptionsresistente Politiker als dumm.
Kann sich eine solche Zeitschrift so einen Fauxpas leisten, ohne ihre Glaubwürdigkeit ernsthaft aufs Spiel zu setzen?
Bezeichnenderweise gibt es im gleichen Heft ab Seite 160 einen Artikel über die Schwierigkeiten, die Manager haben, vom Gefängnis aus Ihre Unternehmen weiter zu führen.
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6. September 2007 um 13:57
hmm,…ja und nein. In Dubai, Russland, Frankreich, etc. lernt man irgendwie nur Leute kennen, die Ihr Geschaeft so betreiben. Ich hab mittlerweile das Gefuehl, es gehoert zum guten Ton. Und ganz ehrlich, so lange das Manager Magazin seiner Linie treu bleibt, isses doch OK. Unglaubwuerdig fuer das Magazin wuerde ich nur zwei sich widersprechende Beitrage finden.
7. September 2007 um 21:31
DU lernst nur solche Leute kennen.
Zum guten Ton kann sowas nicht gehören, immerhin ist Korruption auch in allen von dir genannten Ländern illegal.
12. September 2007 um 06:40
Den Schluss, dass der Autor oder gar der Arbeitgeber, das manager-magazin, Korruption befürworten, würde ich aus dieser Textpassage nicht ziehen! Eher, dass es in gewissen Ländern durchaus üblich ist. Insbesondere in Ländern wie Russland ist Korruption, meiner Meinung nach, unvermeidbar. Wenn der eine sich nicht darauf einlässt, macht es eben der nächste. Mit vornehmer Zurückhaltung kommt man da nicht weit!
Ehrlich gesagt, glaube ich auch, dass die meisten Deutschen nicht genug über Korruption und die wirklichen Abläufe im Geschäftsleben wissen. Eigentlich sollten die Siemens- und VW-Geschichten die Leute eines besseren belehrt haben, aber die vorherrschende Meinung ist wohl immer noch, dass in Deutschland alles ordentlich und moralisch korrekt abläuft.
Meiner Meinung nach totaler Bullshit. Korruption gibt es überall, nur wollen es die meisten nicht wahrnehmen oder nicht glauben. Ich arbeite jetzt seit 3 Monaten in China, und ich muss sagen, echt verdammt krass, was so in der Welt abgeht! Eigentlich unglaublich, aber normalerweise bekommt man eben keinen Einblick hinter die Kulissen.
Aber zurück zum Beitrag: Ich sehe das mit der Korruption mittlerweile mit ganz anderen Augen. Klar, ist es im Grundsatz falsch, aber es läuft eben oftmals so. Wie ich schon geschrieben habe, entweder man macht mit und bekommt die Aufträge, verkauft seine Produkte etc., oder man ist zimperlich und geht unter. Punkt. Außerdem hat Korruption (oder auch “Vorteilsannahme” und “Vorteilsgewährung”) viele Gesichter und kann in vielen verschieden Formen auftreten…
12. September 2007 um 18:44
Hexenverbrennungen waren auch mal an der Tagesordnung in Deutschland.
Korruption schadet allen, außer unter Umständen und meist auch nur kurzfristig, den direkt beteiligten. Deswegen muss sie bekämpft werden, so schwierig das auch sein mag.
Transparency International tut das ziemlich erfolgreich und kann immer Unterstützung gebrauchen: http://www.transparency.de
16. September 2007 um 10:15
Wie kommt es denn jetzt zu dem Vergleich mit Hexenverbrennungen?
Meine Aussage war lediglich, dass Korruption erstaunlicherweise und leidigerweise verbreiteter ist, als wohl von den meisten angenommen. Auch in Deutschland! Von anderen Ländern, wie zum Beispiel Russland, hört und liest man ja öfter entsprechendes.
Klar schadet Korruption, das steht völlig außer Frage! Aber man kann sie eben nicht von heute auf morgen abstellen. Insbesondere wenn eventuell sogar noch amtliche Vorgänge nicht ohne “spezielles Öl im Getriebe” ablaufen.
Was will man denn manchen, wenn man z. B. eine Firma in Russland hat und der örtliche XYZ-Beamte sagt, “Hör mal, ist alles schön und gut, aber ohne das ABC-Formular geht leider gar nichts. Übrigens ist mein altes Auto gestern kaputt gegangen”.
Sowas klingt zwar total mittelalterlich und auch lächerlich, aber wie ich schon geschrieben habe, selbst in Deutschland sind über sowas noch nicht hinaus! Deshalb würde ich das mit der Formulierung in dem Artikel nicht so kritisch bewerten.
16. September 2007 um 14:16
Das ist ja schon mal ein Fortschritt. Dein letzter Kommentar klang noch sehr, als würdest du befürworten, dass es Korruption gibt. Natürlich ist sie sehr verbreitet und auch in Deutschland gibt es sie. Das ist aber noch lange kein Grund, zu resignieren. Einige Staaten haben große Erfolge in der Bekämpfung erzielt und genau die zählen jetzt zu denen mit der besten und nachhaltigsten wirtschaftlichen Entwicklung:
http://www.stern.de/politik/panorama/index.html?id=531354&nv=cp_L1_aa
17. September 2007 um 06:27
Okay, der erste Kommentar war tatsächlich zu missverständlich formuliert. Der Punkt war, wie dann verbessert, wirklich nur, dass es in manchen Ländern noch sehr schwierig ist(!), gewisse Vorteilsgewährungen oder Vorteilsannahmen auszuschließen und dass ich mich deshalb nicht so über die Formulierung in dem Artikel aufregen würde.
Jetzt richtig und unmissverständlich formuliert?
Klar ist Korruption sch****, keine Frage. Aber ein weiterer Punkt war auch, dass ich finde, dass das teilweise trotzdem zu hysterisch gesehen wird, weil es nicht unbedingt Korruption, aber sicher Vorteilsgewährung etc. bei jedem auch im Privatleben gibt. Meistens sicher unbewusst, aber ich finde man kann da nicht so unschuldig tun und sobald man mal was in den Medien liest, über die ach-so-böse Korruption schimpfen…
Anyway, genug diskutiert, ich hoffe ich habe es jetzt endlich hinbekommen, mich richtig auszudrücken
17. September 2007 um 16:27
Da stimme ich dir zu. Die Putzfrau zu Hause schwarz zu beschäftigen und dann über Korruption in der Politik zu schimpfen, ist genau so Mist.
Glaube, wir sind uns einig.