Gute und böse Copycats


Mike Butchers lustiger Artikel zu seinem nicht-Interview mit Oli Samwer hat mich mal wieder auf das Thema Copycats gebracht. Oli reagiert sehr allergisch auf den Copycat-Vorwurf, den er ständig hört, verständlich. Dennoch ist es auch ein bisschen witzig, wie er „humble“ sein möchte und wie sehr er doch auch geschätzt werden will für seine großartige Execution. Wirklich lesenswerter Artikel, auch den Audiomitschnitt dringend anhören.

Da ich auch oft in Diskussionen zum Thema Copycats verwickelt werde, hier mal meine Gedanken dazu:

Ich habe mich selbst aus der unternehmerischen Perspektive bisher nicht so für das Copycat-Geschäftsmodell interessiert und eher wenig damit zu tun. Die Argumente dagegen sind ja auch sehr einleuchtend: Vor allem sei es moralisch schwierig, wenn man das Aufbauen eines Copycat-Business als „Ideen-Diebstahl“ betrachtet. Lustigerweise kritisieren das aber gerade auch die Menschen, die sonst wenig Wert auf den Schutz geistigen Eigentums legen, aber das ist ein anderes Thema.

Andererseits sind aus gutem Grund Geschäftsmodelle allein nicht patentierbar. Dass wir in Deutschland Supermärkte haben ist auch nur einem kopierten Geschäftsmodell zu verdanken und auch nur eins von sehr vielen möglichen Beispielen.

Wer sich davon ein Bild machen will aus der Online-Perspektive, muss sich nur so unterentwickelte Internet-Märkte wie Frankreich, Spanien oder Italien angucken. Man staunt, wie viele in Deutschland seit Jahren etablierte Online-Services dort fehlen.

Aus der Perspektive bin ich froh, im Land der Copycats zu leben.





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3 Kommentare zu “Gute und böse Copycats”

  1. Uwe Starck [my.tip.is]
    17. Oktober 2011 um 14:59

    Hallo Thomas, ich war auf der Idea-Lab an der WHU dabei und habe Samwers Auftritt live gesehen.

    JA, der Typ hat richtig Zug.
    NEIN, als Chef oder Verhandlungspartner möchte ich ihn nicht. Vor allem wegen seiner Wertschätzung Dritten gegenüber und fehlender Demut.

    JA, es wird kopiert, was das Zeug hält.
    NEIN, Copycats sind kein Teufelswerk. Aus meiner Sicht sind sie der größte Ideentreiber und sehr wichtig für unsere Vielfalt und wirtschaftliche Entwicklung.

    Uwe
    PS: Sehr erfrischend und viel sypatischer kamen die Heilemann-Brüder von DailyDeal rüber. Die haben nicht von ungefähr den allermeisten Applaus bekommen. Freue mich zu beobachten, wie Google Groupon in den A*** tritt. Denn gerade auf Händlerseite hinterläßt Groupon sehr viel verbrannte Erde (Eigene Erfahrung).

  2. Oliver Samwer läuft von einem Interview weg: “Wir sind Deutsche, wir haben Kinder” | Basic Thinking
    17. Oktober 2011 um 16:42

    […] um auf seiner hauseigenen Konferenz IdeaLab Tacheles zu reden. Thomas Promny kann Copycats sogar durchaus etwas Gutes abgewinnen, weil sie letztendlich den Internetmarkt in Deutschland voran brächten. Und Startup-Erfolg […]

  3. Das deutsche Erfolgsrezept | Medienblog München
    23. Oktober 2011 um 16:45

    […] aufgrund der aktuellen Diskussionen nicht missverstanden zu werden: Ich bin weder Pro noch Contra Copycats und ebenfalls der Meinung, […]

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