Gründertipps: Denkt nicht nur an Shopping
Viele Gründer denken überhaupt nicht daran, wie und warum ihr Startup jemals Umsätze generieren sollte. Etwas fortschrittlicher immerhin sind diejenigen, die daran denken, was man verkaufen könnte. Gerade der Handel mit physischen Waren ist oft sehr naheliegend. Zu naheliegend, wie ich finde:
Was Oli Samwer macht, muss richtig sein
Online-Retail ist derzeit ein ziemlich gehypetes Thema. Die Samwers bauen Mode- und Möbelshops und wer weiß, was noch alles kommt. Doch tun sie das auch, weil sie glauben, dass man damit dauerhaft Geld verdienen kann? Ich glaube nicht. Ich glaube, die Kollegen haben eher eine andere Perspektive auf ihr Geschäft: Sie wissen, dass es in den nächsten Jahren ziemlich verzweifelte Offline-Player in den jeweiligen Branchen geben wird, die ihr Geschäft ins Internet abwandern sehen. Für die Online-Marktführer in den jeweiligen Branchen (egal, wie profitabel sie sind) werden sich dann ein paar sehr interessante strategische Optionen ergeben.
Das könnte sich demnächst noch als sehr schlauer Schachzug herausstellen, ist aber kein Geschäft für Anfänger und die Strategie benötigt ernsthaft großes Geld.
Du bist aber nicht Oli Samwer
Für dich ist Online-Retail ein gruseliges Geschäft: Abgesehen von ein paar temporären Ausnahmen in ein paar Nischen ist mit dem Handel mit physischen Waren im Internet einfach kein Geld zu verdienen. Und das hat ein paar ganz einfache Gründe:
- Preisvergleiche und ähnliches sorgen für extrem hohe Transparenz. Mittlerweile kann jeder Anfängernutzer Preisvergleiche nutzen. Das führt am Ende dazu, dass wenn OTTO einen Fernseher verkauft, dort vermutlich eine ganze Abteilung das seltene Ereignis mit schallendem Gelächter feiert. Dann preislich konkurrenzfähig sind die nie.
Im Modemarkt hat das Thema noch nicht einmal richtig angefangen, weil die Vergleichbarkeit in dem Bereich noch schwer herzustellen war. Das ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sich auch dort immer irgendein Garagenshop, der den jeweiligen Artikel noch etwas günstiger anbietet. - Konkurrenz ist massenhaft vorhanden. Es ist heutzutage so einfach, einen Online-Shop zu bauen, dass täglich in irgendeiner Garage oder – etwas weniger romantisch – im Wohnzimmer ein paar neue Shops gebaut werden. Und die haben nur eine Chance: Sie verkaufen über den Preis und sorgen somit für die ewige Abwärtsspirale.
Ich habe selbst ein paar Jahre lang mit dem Shopping-Marktplatz Gimahhot diese Erfahrungen gesammelt. Schlank aufgestellt kann so ein Marktplatz auch profitabel sein. Man kann mit relativ wenig Aufwand ziemlich große Umsätze generieren. Aber die Margen sind immer ziemlich traurig gewesen.
Der Handel mit Standardprodukten, die auch jeder Konkurrent genauso einfach anbieten kann wie du, ist also kein Geschäft. Weder heute noch fällt mir irgendein Zukunftsszenario ein, in dem sich das ändern könnte.
Aus der Perspektive des Kunden ist das übrigens eine der großen Errungenschaften des Internet: Sie zahlen dramatisch weniger Marge an den Händler und sparen so in Summe sicher Milliarden Euro durch das Internet. Klassischer Fall von “Des einen Freud ist des anderen Leid”.
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31. Januar 2012 um 17:08
[...] schon vom möglichen Weltuntergang durch Amazon in 2012. Thomas Promny zeigte auf, worin die Schwierigkeiten im Online-Retail liegen. Die Preisvergleiche verringern die Margen und ein fehlendes eigenes Angebot macht einen [...]