Don’t try not to fail – fail quickly and cheaply


Ein Zitat, das für jede Art von Unternehmen – egal ob Großkonzern oder Startup – gilt und nicht oft genug wiederholt werden kann:

Don’t try not to fail – fail quickly and cheaply
Versuche nicht, nicht zu scheitern – scheitere schnell und günstig

Das Unternehmen, das aus Angst zu scheitern, aufhört innovative Experimente zu machen, ist schon so gut wie tot.
Hier eine sehr eindrucksvolle Geschichte zum Thema:

Gestern Abend auf dem eBizzTalk sprach Mathias Müller von Blumencron über die Entstehungsgeschichte von Spiegel Online. Wie konnte es passieren, dass Spiegel.de zur führenden deutschen Nachrichtenseite wurde? Der Verlag war keineswegs dafür prädestiniert. Er konnte überhaupt keine tagesaktuellen Nachrichten produzieren, da er bekanntlich in erster Linie ein Wochenmagazin betreibt.
Zwar war die Webseite von Spiegel Online seit 1994 live, aber in den ersten Jahren wurde sie höchstens wöchentlich aktualisiert und war somit meilenweit von dem entfernt, was man heute als Nachrichtenseite bezeichnen würde.

Dann kam ein gescheitertes Experiment dazu

Im Jahr 1997 startete der Spiegel-Verlag ein Experiment in Kooperation mit der Deutschen Bahn namens ICE-press. In dessen Rahmen sollten tagesaktuelle Nachrichten an Bord der ICE-Züge gedruckt und an die Passagiere verteilt werden. Dafür wurde eine Redaktion aufgebaut, die tagesaktuelle Nachrichten produzierte.
Nach nur wenigen Wochen wurde das ICE-Projekt aber wieder eingestellt, es hatte aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert.

Was hat das mit Spiegel Online zu tun?

Der Verlag hatte nun plötzlich eine tagesaktuelle Redaktion, die keine Aufgabe mehr hatte. Und anstatt die einfach zu kündigen, beschloss man, sie doch für die Online-Ausgabe einzusetzen. Damit wurde Spiegel Online zum ersten deutschen tagesaktuellen Online-Nachrichtenangebot und hat diesen Vorsprung bis heute halten können.
Aus einem gescheiterten Experiment ist ein großer Erfolg geworden, den niemand geplant oder auch nur hätte vorhersehen können. Eine faszinierende Geschichte und das auch noch aus einem der sonst oft als steinzeitlich, rückständig, uninnovativ verschrieenen deutschen Großverlage.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Aus meinen eigenen Erfahrungen kann ich das Phänomen ebenfalls bestätigen. Ziemlich sicher ist die Mehrzahl meiner unternehmerischen Aktivitäten der letzten 12 Jahre nicht planmäßig verlaufen und genau auf die Art erfolgreich geworden, wie es geplant war. Im Gegenteil: Einige meiner erfolgreichsten Unternehmungen entstanden ziemlich aus Versehen, ob man es glaubt, oder nicht.
Daneben pflastern natürlich auch noch viele gescheiterte Experimente den Weg, die aber zum Glück nie groß oder teuer genug waren, um ernsthaften Schaden anzurichten.

Schnell und billig scheitern bitte!

Zuletzt noch mal eine Erinnerung daran, dass Scheitern per se noch keine große Leistung ist. Das Augenmerk sollte hierbei auf “schnell und billig” liegen. Experimente sollten möglichst günstig durchgeführt (“Bootstrapping”), ständig beobachtet und im Fall des ausbleibenden Erfolgs auch möglichst schnell eingestellt werden. Sonst ergeht es euch wie Combots.





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