Unternehmer-Glaskugel: Online-Preistransparenz für die Offline-Welt


Der Blick in die Glaskugel ist für mich schon immer eine der faszinierendsten Komponenten des Unternehmertums gewesen. Man kann – und muss sogar sogar – sich viele Gedanken machen um die Zukunft hinsichtlich Technologien, Mediennutzungsverhalten, Einkaufsgewohnheiten und vielem mehr. Das macht besonders viel Spaß, wenn man in bestimmten Themenbereichen oder Branchen ein paar Jahre Erfahrung gesammelt hat und deren Entwicklungen immer besser einschätzen und prognostizieren kann. Natürlich kann man dabei nie ganz sicher sein, richtig zu liegen. Aber versuchen kann man es. Ich nehme gern Wetten an gegen folgenden Trend in den nächsten Jahren:

Das Internet schafft Preistransparenz in ungeahntem Ausmaß

Ich habe schon mal beschrieben, wie ich glaube, das Internet schon heute im Shopping-Bereich Preistransparenz und damit für Händler sehr unangenehme Bedingungen schafft. Das war aber nur der erste Schritt von vielen, die noch kommen werden. Natürlich hat das Thema Preisvergleiche angefangen im Bereich von besonders einfach vergleichbaren Elektronikartikeln, die es bei hunderten verschiedenen Händlern gab und die einfach zu aggregieren waren. In den letzten Jahren kamen auch Hotels, Flüge und noch einiges mehr dazu. Zuletzt gab es mal wieder einige Startups, die nun auch in der Autowerkstattbranche Preistransparenz schaffen wollen.
Dort hat es länger gedauert, weil es technisch ziemlich komplex ist. Aber es besteht keine Frage, dass sich solche Anbieter früher oder später noch in sehr vielen Themenbereichen etablieren werden und damit noch viele weitere Branchen den Druck der Preistransparenz zu spüren bekommen. Als Sicht des Kunden eine tolle Sache. Aber für Anbieter, die sehr geringe Preistransparenz und entsprechend hohe Margen gewohnt waren, wird es ungemütlich.
Volkswirtschaftlich ist das trotzdem ebenfalls eine gute Nachricht: Es gibt nun immer mehr auch in bisher gemütlichen Offline-Branchen Druck, effizienter zu werden.

Auch für Mediamarkt und Saturn fangen die harten Zeiten erst noch an

In der Offline-Welt vieler klassischer Händler ist die Preistransparenz bisher kaum angekommen. Preisvergleichs-Handy-Apps, mit denen Käufer im Laden die Preise der dort angebotenen Artikel im Internet recherchieren, sind heute noch eine klare Nerd-Domäne. Aber das wird sich früher oder später ändern. Und wenn in ein paar Jahren es auch eure Eltern schaffen, mit dem Smartphone im Laden die Preise zu vergleichen, ist das ursprüngliche Geschäft von vielen herkömmlichen Händlern ernsthaft kaputt.
Wie viele Anwendungsfälle wird es dann noch geben, in denen man so dringend den neuen Fernseher braucht, dass man in die Stadt zum Saturn fährt und die 80kg Kiste nach Hause schleppt? Und dafür auch noch 10, 20 oder noch mehr Prozent mehr zahlt, als wenn man das Gerät im Internet bestellt und 1-2 Tage später bequem geliefert bekäme?

Der klassische Handel wird – abgesehen vom Mode-Bereich, in dem die Leute schon gern probieren, was passt – in vielen Bereichen ziemlich grundsätzlich umgekrempelt werden. Das heißt aber nicht, dass es – jedenfalls in den größeren Städten – nicht trotzdem Kaufhäuser geben wird, die für den unkritischen Kunden vielleicht auch ganz ähnlich aussehen, wie heute ein Saturn oder Media Markt. Deren Geschäftsmodell wird aber nicht mehr in erster Linie der Handel sein.

Marken müssen sich präsentieren

Mehr denn je wird durch die Preistransparenz des Internets der Wert von Marken unbezahlbar. Süßes Gebräu in Dosen zu füllen ist trivial. 1 Euro oder mehr für die Dose zu verlangen, gelingt nur Red Bull. Nur der Wert der Marke wird in den nahenden Zeiten totaler Transparenz den Herstellern das Überleben und das Geldverdienen ermöglichen.
Viele Marken erkennen das und bauen sich Flagship Stores in die Innenstädte und versuchen damit, ihre Marken aufzuwerten und Kontakt zum Endkunden zu bekommen. Allerdings wird natürlich nicht jeder USB-Stick- oder Fernseher-Hersteller groß genug sein für eigene Flagship Stores.
Und hier kommen die bisherigen Elektronikhändler ins Spiel: Sie werden sozusagen Aggregatoren von kleinen Flagship Stores. Sie werden in Zukunft nicht mehr in erster Linie von Handelsmargen leben, sondern ihre Flächen an die einzelnen Marken vermieten. Das passiert sogar teilweise heute schon, dass man in der Fernseherabteilung von einem Mitarbeiter „beraten“ wird, der im Auftrag eines Herstellers dort rum läuft.
Den Marken ist der Spaß sicher genug Geld wert, um den Betrieb eines Kaufhauses in der richtigen Lage zu rechtfertigen. Die Kunden wollen die „Beratung“ (die ist zwar nicht unabhängig, aber das akzeptieren die meisten Kunden ja sogar im Finanzbereich, wenn es dafür nichts kostet) und können, wenn es denn wirklich dringend ist, auch die Ware direkt mitnehmen. Aber die meisten dürften das nicht wollen, wenn sie es auch kostenlos geliefert bekommen könnten, vielleicht sogar irgendwann noch am gleichen Tag.

Also alle glücklich, nur das bisherige Geschäftsmodell nicht.

Was man daraus machen kann?

Im Internet Transparenz schaffen für Offline-Geschäfte. Da sind noch viele Branchen, die darauf warten. Genauer gesagt: Die Unternehmen in den jeweiligen Branchen warten eher weniger darauf. Aber deren Kunden wollen das dringend, auch wenn sich die Anbieter in den meisten Fällen zunächst dagegen wehren.

Und, wenn du das nötige Kleingeld hast, der Metro die MediaSaturn abkaufen und konsequent zum Markenaggregator umbauen. Wer weiß, ob die das selbst schaffen oder vorher wie Karstadt enden. Immerhin wär der Laden dann günstig zu haben.

Viel Erfolg!





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Ein Kommentar zu “Unternehmer-Glaskugel: Online-Preistransparenz für die Offline-Welt”

  1. Patrick Montano
    11. Mai 2012 um 18:36

    1A Artikel!

    Die gleiche Diskussion hatten wir letztes beim Stammtisch.

    Das Argument warum ich den überteuerten Fernseher nach Hause schleppen sollte, wenn ich ihn denn auch Online günstiger kaufen und mir liefern lassen kann..

    …kann man (fast) nicht schlagen

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