Wann sollte ich Rechnungen bezahlen?


Nachwuchsunternehmer fragen sich oft, was die beste Strategie ist, in welchen Zeiträumen sie eingehende Rechnungen bezahlen sollten. Üblicherweise werden ihnen dann die rechtlichen Rahmenbedingungen erklärt. Zudem werden häufig Strategien zur Working-Capital-Optimierung empfohlen, die beinhalten, Rechnungen möglichst spät zu zahlen.
Das hat sicher alles seine Berechtigung und ist nicht grundsätzlich falsch. Dennoch empfehle ich unter Umständen auch das Gegenteil:

Vor lauter Mathematik nicht die emotionale Komponente vergessen

Ist es dir nicht auch schon mal passiert, dass du eine Rechnung verschickt hast und die extrem schnell bezahlt wurde? Hast du dich nicht darüber gefreut?
Das ist sicher weniger wichtig bei Rechnungen, die von Großunternehmen wie der Telekom kommen. Die merken das nicht, wie schnell man zahlt und dem Service-Ansprechpartner ist es erst recht egal. Aber wenn man mit anderen kleinen, jungen, inhabergeführten Unternehmen zu tun hat, kann das schnelle Bezahlen von Rechnungen extrem wertvoll sein.
Denn es bringt etwas, das für kleine und junge Unternehmen unbezahlbar ist: Vertrauen.

Heutzutage ist es mit Online Banking oftmals möglich, dass das Geld noch am gleichen Tag auf dem Konto des Rechnungsabsenders ist.

Was kostet das?

Die Differenz zum sonst gebräuchlichen “Ich lass alle Rechnungen mindestens 3 Wochen liegen” in Zahlen gemessen, sind bei den heutigen Zinssätzen selten mehr als Centbeträge.

Dafür bringt es ein unbezahlbares Plus an Vertrauen. Sicher funktioniert diese Strategie nicht bei allen Geschäftsmodellen, aber wo es möglich ist und für die passenden Kreditoren, kann es eine sehr kostengünstige vertrauensbildende Maßnahme sein, Rechnungen sehr schnell zu bezahlen.





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21 Kommentare zu “Wann sollte ich Rechnungen bezahlen?”

  1. René
    4. April 2012 um 23:55

    Full ack!

    Schnell bezahlte Rechnungen sind auch schnell wieder aus dem Kopf und man kann sich auf andere Dinge konzentrieren
    Gruß

  2. Florian
    5. April 2012 um 00:02

    Dem kann ich auch nur zustimmen! Es ist tierisch nervig, ewig auf Zahlungen zu warten. Am schlimmsten sind die, die die Zahlungsziele noch ein paar Tage überschreiten… Daher zahle ich auch immer zeitnah.

  3. Dominik Schwarz
    5. April 2012 um 12:35

    Absolut! Die 199,- Euro Rechnung “wegen Zinsen” 4 Wochen liegen zu lassen ist in etwa so sinnvoll wie für den Cent Benzinpreisunterschied 30 Kilometer weit zu fahren. Sehe es darüber hinaus auch ein Stück weit als Ehrensache an, für schnell erhaltene Leistungen auch schnell die Rechnungen zu begleichen.

    Meiner Beobachtung nach kann man am Zahlungsverhalten viel über den Zustand einer Firma ablesen.

  4. Sebastian Constapel
    26. April 2012 um 18:13

    Ich bezahle meine Rechnungen immer ASAP. Gibt kaum eine wichtigere Priorität in meinem Unternehmen. Warum? Alleine schon für die glücklich gemachten Menschen und eine Aufgabe weniger auf dem Zettel.

  5. Content Guru Matthias
    26. April 2012 um 18:58

    Gute Ansicht, leider hat sich das in den letzten Jahren in der Online-Branche verändert. Auch ist es offline ja üblich mal 30 Tage zu warten. Für den Empfänger natürlich dumm, für den Versender, naja. Es gibt ja Factoring, auch ne Idee um beides zu haben – sein Geld sofort und damit eigene Rechnungen sofort zu bezahlen….
    MfG

  6. Andreas
    27. April 2012 um 10:25

    Rechnungen werden von uns immer noch am gleichen Tag bezahlt. Gleiches erwarten wir auch von unseren Kunden. So kann der Arbeitstag problemlos weiterlaufen und nichts bleibt auf dem Schreibtisch unerledigt. Man ist bereit für neue Aufgaben und hat unbezahlte Rechnungen nicht im Hinterkopf, oder muss sie am nächsten Tag abarbeiten.

  7. Andreas
    27. April 2012 um 13:45

    Als Kleinunternehmer geht es dir allerdings nicht um die Zinseinnahmen, sondern darum, dass dein Kapital nicht gebunden ist. Wenn ein signifikanter Teil deines flüssigen Vermögens als Ware herumliegt kannst du schlechter auf unvorhergesehene Vorkommnisse reagieren.

    Beispiel: Sagen wir du hast gerade dein Lager aufgefüllt und hast sofort bezahlt und bist quasi pleite. Nun kommt eine Sonderbestellung rein: “Herr XY, wir benötigen sofort ihren gesamten Lagerbestand. Geld spielt keine Rolle aber wir brauchen es bis morgen vormittag.”
    Wenn du jetzt noch halbwegs flüssig bist, kein Problem. Du bestellt einen Kurier und zahlst alles erstmal locker im Voraus. Wenn du pleite bist kannst du nichts machen oder musst erstmal umständlich Geld besorgen.

  8. AKamleiter
    11. Mai 2012 um 02:27

    Ich finde auch, dass eine schnelle Zahlung wichtig ist. Rechnungen, die bei mir eingehen, werden noch am gleichen Tag bezahlt. Wenn ich die lange in meinem Posteingang rumfliegen habe, gehen die eh nur unter ;-) Daher bin ich auch wenig tolerant, wenn ich ewig auf mein Geld warten muss. Sicher kann man mal etwas vergessen oder übersehen, aber nach einer freundlichen Erinnerung sollte das Geld dann doch innerhalb von 2-3 Tagen da sein.
    Das Beispiel von Andreas kann ich absolut nachvollziehen. Nehmen wir einen kleinen Hardware-Händler, der 5000€ zur Verfügung hat. Bestellt ein Kunde ein paar Notebooks, die im Einkauf 5000€ kosten und zahlt erst nach 30 Tagen, muss der Händler alle neuen Kunden 1 Monat lang vertrösten, da er die Notebooks im voraus bezahlen musste.
    Bei mittelständischen bis großen Unternehmen habe ich Verständnis, wenn es ein wenig dauert, bis die Buchhaltung die Rechnung überwiesen hat, aber bei Einmann-Klitschen sollte die Rechnung doch zeitnah überwiesen werden.

  9. Richthofen
    11. Mai 2012 um 14:09

    Von Lieferant zu Lieferant unterschiedlich. Ich arbeite bei einem großen Einzelhändler im Lebensmittelbereich, wir erzielen einen erheblichen Teil unserer Erträge durch Zinserlöse. (die eben langen Zahlungsfristen zu Grunde liegen)

    Aber hier spielt die Branche sicherlich eine Sonderrolle.

  10. Brands Consulting
    18. Mai 2012 um 14:26

    Den juristischen Teil können wir, wie eingangs erwähnt, gerne ausklammern. Hier sind die Vorgaben klar. ;-)

    Es hängt absolut von der Situation des Unternehmens ab. Ist ein Unternehmer besonders liquide, kann er eine Rechnung schnell zahlen, aber sollte er es tatsächlich?
    Ich schließe mich der Meinung an, gerade gegenüber Großunternehmen eher zu warten. Eine Telekom mag zwar merken, ob ein/e Selbstständige/r schnell zahlt oder nicht, aber was unternimmt sie, wenn die Zahlung verzögert – gut terminiert eintrifft? Vermutlich nichts!

    Möchte ich mit einem Kleinunternehmer oder normalen KMU eine längere, intensivere Geschäftsbeziehung pflegen, würde ich bei schlechter Zahlungsmoral nur schlechter betreut und behandelt werden.
    Neben der Situation hängt es natürlich auch von der Art des Unternehmens ab, welches ich / wir betreiben. Werden Dienstleistungen erbracht, bei denen fast ausschließlich Personalkosten anfallen, muss der Fall anders betrachtet werden, als ein Unternehmen, welches mit Waren handelt und so andere Umsätze erzielt.
    Nehmen wir 10.000 €
    Mit Glück würden wir bei einem zinsgünstigen Konto etwa 1,5 % Zinsen erhalten.
    Warten wir 30 Tage, bringt uns das 12,50 €.

    Müssen wir hingegen Zinsen zahlen und kalkulieren mit 10 % Zins, ergibt sich für den gleichen Zeitraum ein Betrag von rund 83€.
    Wenn der Unternehmer mit dem Geld noch wirtschaftet, also keinen Zins von der Bank dafür erhält oder zahlen müsste, dann lässt die Fragen noch weniger pauschal beantworten, da es auf die individuellen Verhältnisse ankommt.
    Ob es sinnvoll oder weniger sinnvoll ist, eine Rechnung schnell zu überweisen, hängt hier somit u. a. ab von:

    • Der Liquidität des Unternehmens
    • Dem persönlichen Zinssatz
    • Der Branche
    • Dem Vertragspartner
    • Dem durchschnittlichen Zins, den man durch eigenes Handeln mit dem eigenen Unternehmen in der betreffenden Zeit erwirtschaften kann

    Möchte man sich Ärger mit dem Vertragspartner ersparen, Zinsen dennoch sparen / welche erwirtschaften, nutzt man terminierte Überweisungen und überweist z. B. einen Tag vor dem Ende des Zahlungszieles.

  11. Michael Krause
    23. Mai 2012 um 12:16

    Geht es noch jemandem so, dass er geschäftliche Rechnungen innerhalb von maximal 12 Stunden begleicht, privat aber durchaus auch mal was eine Woche liegen lässt?

    So, ich gehe jetzt mal meine Zalando-Rechnung von Anfang Mai bezahlen! :-D

    Grüße aus Stuttgart!

  12. Balu
    24. Mai 2012 um 09:48

    Es wird immer vergessen, dass das ganze ein zweischneidiges Schwert ist.

    Wenn ich meine Rechnungen nicht sofort bezahle, darf ich mich auch nicht darüber beschweren, dass meine Kunden meine Rechnungen nicht sofort bezahlen…

    Das Geld möglichst lange in der Firma zu lassen hilft spätestens dann nicht mehr, wenn die eigenen Kunden dasselbe machen und das Geld nicht aufs Konto kommt.

    Oder sehe ich das falsch? Vielleicht kapieren die deutschen Firmen das auch irgendwann.

  13. Vladislav Melnik
    5. Juni 2012 um 18:46

    Hey Thomas,

    ich seh’ das auch zwiegespalten. Einerseits wird einem sogar im Studium beigebracht, dass man das Zahlungsziel voll ausnutzen soll, damit man mit dem Kapital “arbeiten” kann.

    Andererseits hast du vollkommen recht, dass das schnelle Bezahlen von Rechnungen für den Aufbau von Vertrauen sorgt. Wenn meine Forderungen schnell beglichen werden, freue ich mich auch immer :) Ich finde, das zeigt auch irgendwo ein gewisses Maß an Wertschätzung.

    Viele Grüße
    Vladislav

  14. Siamac
    18. Oktober 2012 um 10:24

    Hi Thomas,

    aus meiner Erfahrung scheint nicht nur das Ausnutzen des Zahlungszieles an der Tagesordnung zu sein, sondern gerne wird darüber hinaus noch gerne ausgereizt.

    Das Vertrauen als immaterieller Wert wesentlich höherwertiger ist, als irgendwelche Zinsen, wird dabei leider nicht berücksichtigt.

    Für mich auch ein weiterer Beleg dafür, wie an den Universitäten an der Realität vorbeiunterrichtet wird.

    Viele Grüße, Siamac

  15. Frank Kemper
    18. Oktober 2012 um 10:41

    Ich arbeite in einem schwäbischen Verlag, der eine gut geölte Buchhaltung hat und deshalb etwas tut, was im Verlagswesen eher selten ist: Er bezahlt fällige Honorare zügig. Nun gut, nicht über Nacht, aber doch überdurchschnittlich schnell. Ich benutze diese gute Eigenschaft unseres Verlages inzwischen gezielt als Positiv-Argument bei der Akquise von freien Mitarbeitern. Denn die sollen ja nicht ausschließlich deshalb für uns arbeiten, weil es so enorm viel Spaß macht.

  16. Leetweb
    18. Oktober 2012 um 12:34

    Also ich setze meine Zahlungsfristen eher kurz an. Normalerweise prompt bzw. 7 Tage, max 14 Tage. Denn wenn ich die Leistung zufriedenstellend erledigt habe, möchte ich auch zeitnah bezahlt werden.

    Und so halte ich es auch bei den Eingangsrechnungen, die ich schnell bezahle, wenn alles gepasst hat.

    Das Argument von Liquidität und Zinseffekten kann ich bei Dienstleistern keinesfalls nachvollziehen und auch bei Händlern nicht. Denn es gibt ja schließlich Überzugsrahmen, und wenn man bereits länger bei der Bank Kunde ist und ein bisschen verhandelt zahlt man nie die 10% Zinsen.
    Außerdem rennt sowieso irgendwas falsch, wenn man sich ständig im Minus bzw. +/- 0 Bereich bewegt.

  17. Christoph
    18. Oktober 2012 um 12:40

    Ich habe für Kunden, die lange Zahlungsziele fordern oder sich diese durch späte Zahlung selbst geben, eine einfache Lösung: Die bekommen deutlich schlechtere Konditionen. Und das wird offen kommuniziert. Manch Grosskonzern zahlt lieber 50-100€ mehr am Tag als die Policy “4 Wochen Zahlungsziel” zu durchbrechen… Und für ein paar hundert Euro, die da schnell zusammenkommen, warte ich dann gern auch mal 5-6 Wochen bei vereinbarten 4 statt 2 Wochen Zahlungsziel.

  18. Sascha Fuchs
    18. Oktober 2012 um 17:28

    Das ist das alte Leiden. Ich habe wenig Verständnis dafür wenn ein Kunde mal wieder das Zahlungsziel überschreitet. Oft genug wird es hemmungslos ausgereizt. Mal hat man es übersehen, oder die Buchhaltung kommt nicht hinter her, oder das ausgelagerte Steuerbüro ist schuld. Es ist ja auch immer total überraschend wenn der Freelancer am Tag der Deadline sogar fertig wird – klar da kommt jede Buchhaltung ins Trudeln, konnte man ja nicht ahnen.

    Der geilste Satz war “Wir können leider noch nicht zahlen, weil unsere Kunde noch nicht gezahlt hat. Aber könntest du mal…”. Und so was kommt in letzter Zeit immer häufiger vor. Agentur X will dick im Geschäft mitschwimmen, hat aber eigentlich gar keine Rücklagen um in Vorkasse zu gehen, kein Problem erstmal Hilfe von außen Buchen und den Freelancer solange vertrösten bis der eigene Kunde die Rechnungen gezahlt hat.

    Bei mir gibt es daher nur sieben Tage und ohne Vorkasse fange ich auch gar nicht erst an. Entweder der Kunde kommt damit zurecht oder er lässt es bleiben, das erspart mir unnötigen Stress.

  19. Christoph Engelhardt
    24. November 2012 um 08:05

    Hervorragende Denkweise.
    Ich mache es auch prinzipiell so, dass ich meine Rechnungen noch an dem Tag, an dem ich sie erhalte ins Bankingprogramm eingebe.
    Netterweise kann ich da den Ausführungstag angeben. Also bekommen die “großen” Konzerne ihr Geld kurz vor knapp – und alle anderen sofort.

    Bei den eingehenden Geldbeträgen ist die Sache natürlich deutlich komplizierter. Ich glaube das längste, was ich jemals gewartet habe ist: Bis heute!
    Es gibt wirklich Kunden, die mir seit JAHREN Geld schulden. Aber dem nachzurennen lohnt sich gar nicht wirklich, einfach Kontakt abbrechen und gut.

  20. Dirk
    19. März 2013 um 13:50

    Man sollte wie im Leben generell es so halten:
    Ich mache es so, wie ich es auch gern habe.
    Ich mag mein Geld gern sofort haben, also überweise ich meine Rechnungen die ich erhalte auch sofort.

  21. Robert
    26. August 2013 um 14:38

    Wunderbar auf den Punkt gebracht: Hier geht es um Zuverlässigkeit und Vertrauen. Nicht um Pfennigfuchserei. Gruß

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