„Unser Geschäftsmodell finden wir, wenn wir groß sind“


Das Internet produziert ja viel Skepsis bei Geschäftsleuten aus klassischen Branchen. Tatsächlich sehen ja manche Geschäftsmodelle im Netz magisch bis verrückt aus und manche Internet-Unternehmer wurden reich, indem sie Dinge verschenken, für die die Menschen früher bereit waren, zu bezahlen.
Ganz Unrecht haben die Skeptiker, wie immer, natürlich nicht: Immerhin ist das Internet durch seine geringen Einstiegshürden auch zum Tummelplatz für ziemlich naive und weltfremde Gründer geworden, die früher eher Künstler als Unternehmer geworden wären.

„Wozu brauchen wir in dieser Phase denn ein Geschäftsmodell?“

Viele Gründer glauben, dass das Geschäftsmodell nur die Frage der Monetarisierung betrifft. Dass man diese, insbesondere bei marktplatzartigen Geschäftsmodellen, in den ersten Jahren ausblenden kann, ist meistens vernünftig. Es ist weiterhin richtig: Wenn man zu ausreichend niedrigen Kosten viel Traffic auf eine Webseite oder App bekommt, wird man sie immerhin mehr oder weniger gut durch Werbung finanzieren können.

Doch aus meiner Sicht umfasst der Begriff des Geschäftsmodells viel mehr als nur die Monetarisierung:

In erster Linie gehört dazu auch noch die Wachstumsstrategie. Sie ist elementarer Teil des Geschäftsmodells: Warum und wie kommt das Unternehmen überhaupt an den Punkt, an dem „alle“ es nutzen, um diese massenhafte Nutzung dann monetarisieren zu können? Ein schönes Beispiel dafür ist Amen: Das Lieblingsargument der Verteidiger des offensichtlich schon gescheiterten Startups ist, dass wenn sie erst mal diese ganzen tollen Meinungsdaten von den Nutzern eingesammelt haben, werden sie sie schon vermarkten können. Diese Antwort geht aber offensichtlich an der eigentlichen Frage vorbei: Wie kommen sie dahin, diese Daten zu sammeln? Warum sollten mehr als ein paar Hipster das wirklich regelmäßig tun wollen, was sie mit viel mehr Reichweite bei Facebook tun können, wo sie eh schon angemeldet sind? Und Amen ist natürlich nur eins von tausenden Beispielen.

Viel zu viele Startups drücken sich zu lange vor der Beantwortung dieser unbequemen Frage: Warum werden überhaupt Menschen mein Produkt nutzen wollen?
Viel mehr Spaß macht es, sich auszumalen, was man alles für Vermarktungsmöglichkeiten hat, wenn man die massenhafte Verbreitung geschafft hat. Bringt aber nichts, wenn man dahin überhaupt nicht kommt und schon an der Hürde der Verbreitung scheitert.





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7 Kommentare zu “„Unser Geschäftsmodell finden wir, wenn wir groß sind“”

  1. Thorsten
    2. April 2013 um 13:53

    Als wir mit unserem Unternehmen vor ein paar Jahren bei diversen Businessplan-Wettbewerben mitgemacht hatten, waren wir zu meiner Überraschung oft die einzigen, die reale Umsätze vorzuweisen hatten. Über Geschäftsmodelle im Sinne von Monetarisierung wurde recht wenig gesprochen. Teilweise hatte ich sogar den Eindruck, es gälte bei einigen als schick, sich über das Erzielen konkreter Umsätze keine Gedanken zu machen. Amen ist da in meinen Augen ein Parade-Beispiel.

  2. Simon
    2. April 2013 um 22:09

    Trauriger ist noch, dass bei genau diesen Wettbewerbern auch nicht die Geschäftsmodelle geprüft werden, sondern die jeweils größten Selbstdarsteller leider viel zu oft konsequent abräumen. Ob das Modell dahinter sinnvoll ist, solide kalkuliert – wen interessiert’s.

    Aber fürs Party machen muss man sich ja auch nur persönlich und äußerst oberflächlich gut verstehen 😉

  3. Richhiker
    3. April 2013 um 10:53

    „– etwa, wo ich auf der Kastanienallee das beste Sushi bekomme.“ (Zitat Petersen im verlinkten Wirtschaftswoche-Artikel).
    Kastanienallee plus Sushi ist ja wohl das hipster-mäßigste Beispiel, das ihm einfallen konnte..:D
    Aus dem Artikel zu schlussfolgern, dass Amen quasi schon gescheitert sei, finde ich trotzdem bischen mutig… Bei Twitter wusste doch zu Beginn auch Niemand, womit die eigentlich Geld verdienen wollen. Und jetzt machen sie offenbar Gewinn…

  4. Naden
    3. April 2013 um 14:07

    Das mit den „Künstlern“ ist sehr gut beobachtet. Ich war unlängst bei zwei Veranstaltungen, wo die Referenten nur versuchten am „nerdigsten“ auszusehen. Die Ideen waren allesamt quark. Gewonnen haben Sachen, die absolut keine Substanz hatten und auch nie die Massen erreichen werden.

  5. Lelala
    10. April 2013 um 13:27

    Ganz einfache Antwort:
    Weil der Deutsche-Michel-Gründer es so von seinen großen Vorbildern aus USofA so gelernt und gesehen hat 🙂
    Vergessen wird dabei bspw. alleine schon mal, dass du in USofA mit einer App und nur einer Locale 250m Leute erreichst – in DE hingegen nur knapp 80, potenziell. UND NEIN, Österreich und Schweiz sind keine DE-Locale sondern sind eigene Locales mit eigenen Inhalten (Hint #2: Lokalisierung ist nicht einfach nur das platte Übersetzen, aber darauf gehen wir wann anders ein)
    Grüße

  6. Thomas
    10. Juli 2013 um 14:43

    Witzig – Du verwechselst offensichtlich „Geschäftsmodell“ mit „Marketing“. Beim Geschäftsmodell geht es nicht darum, wie ich „alle“ auf die Plattform bekomme. Diese Frage wird im Marketing beantwortet

  7. Tim
    21. November 2016 um 09:42

    Mit so einer Firma hatte ich auch schon zu tun. Die erfolgreichen Firmen fangen nie ohne Plan an und wissen wo sie landen wollen. Manche wollen einfach gründen und loslegen…

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