Marktplatzbusiness ohne Winner-takes-it-all: Online-Dating


Einmal im Jahr sollte dieses Blog ja wenigstens ein Lebenszeichen enthalten, also warum nicht mal wieder mit einem interessanten Businessthema? Danke für die Inspiration dazu an Hendrik.

Habt ihr euch nicht auch schon gefragt, warum im Online-Dating seit mittlerweile fast 20 Jahren immer wieder neue Player aufkommen und sich nie ein Monopolist etabliert hat? Ich mich jedenfalls schon öfter.

Marktplätze sind fast immer „Winner-takes-it-all“ Geschäftsmodelle

Marktplätze, auf denen sich Anbieter und Nachfrager von Waren oder Dienstleistungen treffen, tendieren fast immer zu natürlichen Monopolen. Mobile.de, Immoscout oder Uber funktionieren dann am besten, wenn dort möglichst viele Anbieter und Nachfrager mitmachen. In solch monopolistischen Märkten sind die zweitgrößten höchstens noch regional irgendwo etwas stärker (Immonet) oder winzig klein (Hood.de),

Schließlich ist derjenige Anbieter nicht schlau, der beispielsweise seine Immobilie auf einem kleinen Marktplatz vielleicht sogar kostenlos anbietet. Dort spart er zum Beispiel 100 Euro Einstellgebühr, verliert aber, aufgrund der wesentlich kleineren Masse an Nachfragern, schnell 10.000 Euro Verkaufspreis. Die Anbieter haben also sogar auch ein Interesse, einen Monopolisten zu unterstützen. (solange dieser seine Marktmacht nicht missbraucht und die Preise zu sehr steigert)

Warum ist das beim Online-Dating nicht so?

Anders als bei den oben genannten Marktplätzen gibt es bei Online-Dating weder Transparenz noch einen Anspruch der Nutzer auf Vollständigkeit. Der Nutzer muss keinen vollständigen Überblick über das angebotene „Inventar“ bekommen. Daran hat er auch gar kein Interesse – denn das wäre in den meisten Fällen ohnehin ziemlich unüberschaubar.
Der Nutzen von guten Dating-Plattformen besteht heute wohl vielmehr darin, die berühmte „Qual der Wahl“ zu reduzieren und mit innovativen Ansätzen zu versuchen, tatsächlich passende Menschen zusammen zu bringen.

Differenzierung statt Masse

Darüber hinaus wird es in dem Markt wohl auch immer Bedarf für Nischenanbieter geben. Wer will schon seinen Partner dort suchen, wohl all „die doofen Durchschnittsmenschen“ umherirren?
Vermutlich reichen schon ein paar tausend Nutzer pro Stadt/Region aus, um eine Nischen-Datingplattform zum Laufen zu bekommen.

Übrigens auch ein guter Grund, bestimmte Zielgruppen zum Bezahlen für den Service zu motivieren: Auf einer Plattform, auf der alle Nutzer bezahlen, kann man immerhin mit einer gewissen Ernsthaftigkeit rechnen.

Verschiedene Plattformen für verschiedene Bedürfnisse

Von Casual Dating bis hin zur Heiratsvermittlung gibt es in dem Markt ja eine große Bandbreite verschiedener Nutzungsszenarien. Die meisten Innovationen gab es in den letzten Jahren eher im Casual-Bereich (Tinder & Co) während der Markt für die ernsthaftere Themen den mittlerweile ziemlich angestaubten Parships überlassen blieb.
Hier kommt das Hamburger Startup Gniddle ins Spiel mit einem Prinzip, an dem auch verschiedene andere Startups derzeit arbeiten: „Meine beste Freundin Anke ist gerade wieder Single und mein Arbeitskollege David könnte super zu ihr passen.“ Mit der App kann man beide einander vorstellen.
Übrigens auch tolles virales Marketing inklusive: „[Person, die du kennst] schlägt dir vor, Anke kennenzulernen, die dich interessant findet“ – ein besseres Incentive, eine App zu installieren, wird man wohl so schnell nicht finden.

Das scheint mir eine sinnvolle Innovation in einem zwar seit Jahrzehnten umkämpften Markt, der aber aus den oben genannten Gründen wohl immer offen für neue Modelle sein wird.





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3 Kommentare zu “Marktplatzbusiness ohne Winner-takes-it-all: Online-Dating”

  1. Hendrik
    20. Januar 2015 um 11:16

    Danke für die Erwähnung! Unsere Erste!

    Ich freue mich total darüber, ebenso wie unseren Livegang am letzten Wochenende mit viel Feedback und Spaß! Ich hoffe, dass es uns nachhaltig gelingt die viel zu großen Anteil an Singles in unserer Bevölkerung zu verringern! Also Leute – helft euren Freunden!

  2. Tim
    21. November 2016 um 09:40

    Werde mir die App mal anschauen! Klingt jedenfalls nach einer interessanten Idee.

  3. Davut
    27. November 2017 um 16:59

    Wow..das schaue ich mir mal an. Guter Artikel.

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